„Wasser ist Leben“, dieser Satz beschreibt in seiner Kürze umfassend die elementare Bedeutung dieser Flüssigkeit. Kein Leben auf unserer Erde kann ohne Wasser entstehen oder existieren. 70 % der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. 97 % davon entfallen auf die Meere, die restlichen 3 % auf das Süßwasser. Wasser ist nichts Statisches, es unterliegt einem ständigen Prozeß aus Verdunstung und Kondensation. Verantwortlich für diesen Kreislauf ist die Sonne, erwärmte Luft nimmt Wasserdampf auf, bei Abkühlung kondensiert er wieder und fällt als Regen oder Schnee auf die Erde zurück. Dort fließt das Niederschlagswasser entweder oberirdisch als Bach oder Fluß ab, oder es versickert im Boden und kann als Grundwasser gespeichert werden.

Seit der Existenz des Menschen auf der Erde hat er versucht in den Haushalt der Natur einzugreifen, um seine Umgebung nach seinen Vorstellungen und Bedürfnissen umzugestalten. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Auswirkungen der menschlichen Aktivitäten für die Natur noch nicht gravierend. Die Bevölkerungszunahme im letzten Jahrhundert in Verbindung mit der einsetzenden Industrialisierung hatte einen Anstieg des Nahrungsmittelbedarfes und der Siedlungsflächen zur Folge. Die Eingriffe in die Natur wurden immer massiver, wobei die Folgen zunächst nicht zu erkennen waren. Erst allmählich lernte man, dass diese Veränderungen nicht ohne Konsequenzen für die menschliche Existenz bleiben würde. In einem mühevollen und kostspieligen Lernprozeß sind wir dabei, die Wechselbeziehung von Lebewesen und Umwelt zu begreifen. Die Veränderungen, die der Mensch an den Gewässern und Feuchtgebieten in bester Absicht vorgenommen hat, müssen aufgrund der gemachten Erfahrungen teilweise zurückgenommen oder in anderer Form ausgeglichen werden.

Der Merksatz, dass bei Eingriffen in die natürlichen Abläufe nur der erste Schritt freiwillig getan wird, alle weiteren Schritte uns dann jedoch von der Natur aufgezwungen werden, hat gerade beim Umgang mit Wasser und Gewässer seine Bestätigung erfahren. Vor diesem Hintergrund ist auch die Arbeit des Gewässerverbandes Bergstraße zu sehen. Waren es in den ersten Jahrzehnten nach der Gründung der Vorgängerverbände Weschnitz und Lauter-Winkelbach hauptsächlich Arbeiten zum technischen Ausbau, so stehen heute neben der Unterhaltung der Hochwasserschutzeinrichtungen auch Arbeiten zum Rückbau und der Renaturierung auf dem Programm.

Der Erfolg unserer Arbeit hängt ganz entscheidend davon ab, mit welchem Nutzungsanspruch der Mensch sich in seiner Umwelt definiert. Wenn die Aussage, dass der Mensch ein Teil der Natur ist, richtig ist, dann muss unser Fühlen und Handeln zurückführen zu unserem Platz in der Natur und in den Gesamtablauf der Evolution. Die Vorstellung, wir könnten heraustreten, könnten wie Zuschauer die Abläufe betrachten, könnten eine Grenze ziehen zwischen uns und der Umwelt, diese Vorstellung ist falsch, wie uns die Naturereignisse gerade in Verbindung mit dem Wasser fast täglich zeigen.